Warum ich ein Online-Business neben dem Job aufbaue – obwohl ich lange nicht daran geglaubt habe

Ich arbeite seit 2013 (mit einem Jahr Unterbrechung) als Fahrdienstleiterin.
Selbstständig sein war für mich lange so unrealistisch wie eine Reise zum Mond.
Und trotzdem sitze ich heute hier und baue mir ein Online-Business neben dem Job auf – zumindest versuche ich es.
Nicht, weil ich alles durchgeplant habe.
Sondern weil ich irgendwann gesehen habe, dass es auch anders gehen kann.

Warum Selbstständigkeit für mich früher unerreichbar war

Ich arbeite seit 2013 als Fahrdienstleiterin – mit einem Jahr Unterbrechung. Als ich damals angefangen habe, habe ich nicht im Entferntesten an Selbstständigkeit gedacht. Ich wollte einen sicheren Job. Ein festes Gehalt. Klare Strukturen. Einen Beruf, von dem man „leben“ konnte.

In meinem Umfeld war Selbstständigkeit nichts, worüber man ernsthaft nachgedacht hat. Es war eher etwas, vor dem gewarnt wurde. Zu unsicher. Zu riskant. Zu viele, die scheitern. Lieber etwas Ordentliches arbeiten. Etwas Solides. Etwas, das Bestand hat.

Ich habe das alles nicht hinterfragt. Warum auch? Sicherheit klingt vernünftig. Planbarkeit klingt erwachsen. Und ich wollte vernünftig sein – auch wenn ich nie wirklich wusste, was ich eigentlich werden möchte. Also habe ich übernommen, was als klug galt. Ich habe mich an ein System angepasst, das mir Stabilität versprach, ohne zu prüfen, ob diese Stabilität wirklich zu mir passt.

Selbstständig sein fühlte sich für mich damals wie eine andere Welt an. Wie etwas für Menschen, die genau wissen, was sie wollen. Für Menschen mit einer klaren Vision, mit Mut, mit einem Plan. Ich hatte keinen Plan. Ich hatte Arbeit. Und wenn eine nicht gereicht hat, dann eben noch eine dazu. Ein oder zwei Nebenjobs waren nie das Problem. Ich bin immer irgendwie durchgekommen.

Aber „irgendwie durchkommen“ ist nicht dasselbe wie bewusst entscheiden.

Heute erkenne ich, dass ich lange innerhalb eines Rahmens gedacht habe, den ich mir nie selbst gesetzt habe. Ich habe die Bedenken anderer mitgetragen, als wären es meine eigenen. Nicht aus Angst – sondern aus Gewohnheit. Und weil es in meinem Umfeld normal war, so zu denken. Wenn man oft genug hört, dass etwas riskant ist, beginnt man irgendwann, das Risiko größer zu sehen als die verpasste Möglichkeit.

Ich hatte nie den Traum von der Selbstständigkeit. Es war kein heimlicher Wunsch, den ich unterdrückt habe. Es war schlicht keine Option in meinem Kopf. Und genau das ist im Rückblick die eigentliche Erkenntnis: Nicht der Mut hat mir gefehlt, sondern die Vorstellungskraft. Selbstständigkeit war für mich kein Ziel, sie war außerhalb meines Denkrahmens.

Notiz an mich:

Nur weil ein Weg sicher wirkt, heißt das nicht, dass er meiner ist.

Der schleichende Wendepunkt

Es gab keinen dramatischen Auslöser. Keinen Streit. Keine Kündigungsdrohung. Kein Ereignis, das alles auf den Kopf gestellt hätte. Wenn ich heute darüber nachdenke, war es kein einzelner Moment, sondern eher ein langsames Verschieben der Perspektive.

Über Jahre habe ich funktioniert. Ich habe Schichten übernommen, wenn es nötig war. Urlaube abgestimmt. Dienste getauscht. Meine Zeit nach Dienstplänen ausgerichtet und mein Leben darum herum organisiert. Das war normal. So läuft es in diesem Beruf. Und ich habe es lange nicht infrage gestellt, weil ich dachte, genau so muss es sein.

Irgendwann kam jedoch ein Gedanke dazu. Kein lauter. Kein rebellischer. Eher eine nüchterne Beobachtung: Ich funktioniere zuverlässig – aber ich gestalte nichts. Mein Alltag war strukturiert, aber nicht selbstbestimmt. Ich war eingebunden, aber nicht frei in meinen Entscheidungen. Ich habe reagiert, statt zu entscheiden.

Die Schichtarbeit hat ihren Preis. Nicht nur körperlich. Natürlich spürt man Müdigkeit, wenn der Rhythmus ständig wechselt. Aber es ist mehr als das. Es ist dieses Gefühl, nie ganz im eigenen Takt zu leben. Wochenenden sind relativ. Feiertage auch. Man gewöhnt sich daran, aber der Körper vergisst es nicht. Und der Kopf auch nicht.

Der Gedanke, das bis zur Rente so weiterzumachen, fühlt sich schwer an. Richtig schwer. Nicht, weil der Beruf schlecht ist. Sondern weil ich gemerkt habe, dass ich mich selbst darin nicht mehr weiterentwickle. Es wäre ein Aushalten. Kein bewusstes Wählen.

Und wenn ich ehrlich bin, habe ich nach Alternativen gesucht. Aber hier in der Region sind die Möglichkeiten begrenzt. Eine andere Arbeit, die meinen Vorstellungen entspricht, gibt es nicht einfach so. Homeoffice ist in meinem Beruf nicht vorgesehen. Und selbst wenn ich mich neu orientieren würde, wäre die Auswahl überschaubar. Vielleicht habe ich auch nicht perfekt gesucht. Vielleicht hätte ich früher anfangen müssen. Aber die Realität bleibt: Die Optionen sind nicht unendlich – zumindest nicht, wenn man im Angestelltenrahmen denkt. Genau da hat sich etwas verschoben.

Mir wurde klar, dass ich auf eine Gelegenheit warte, die vermutlich nicht einfach auftauchen wird. Dass ich darauf hoffe, irgendwann werde sich von außen etwas verändern. Ein besseres Angebot. Eine passendere Stelle. Ein zufälliger Glücksgriff. Aber was, wenn nichts davon passiert?

Irgendwann wurde mir klar, dass ich nicht auf die perfekte Gelegenheit warten kann. Wenn sich äußerlich nichts verändert, muss ich selbst etwas verändern. Nicht radikal. Nicht kopflos. Sondern Schritt für Schritt.

So entstand der Gedanke, neben dem Job etwas Eigenes aufzubauen. Kein großer Masterplan. Keine sofortige Kündigungsfantasie. Keine „Ich mache mich jetzt selbstständig“-Parole. Sondern eine leise Entscheidung: Wenn ich mehr Einfluss auf meine Zeit und mein Arbeiten haben möchte, dann muss ich anfangen, mir diesen Einfluss selbst aufzubauen. Es war ein langsames Drehen in eine andere Richtung.

Notiz an mich:

Nur weil etwas läuft, heißt das nicht, dass es sich richtig anfühlt.

Zwischen Stillstand und Suche

Vielleicht hatte ich insgeheim erwartet, dass sich dieser Schritt klarer anfühlen würde. Entschlossener. Zielgerichteter. Dass irgendwann dieser Moment kommt, in dem man innerlich weiß: Genau das ist es. Genau da geht es lang. So fühlt es sich aber nicht an.

Die Realität ist nüchterner. Es gibt keinen klaren Fahrplan, keinen roten Faden, der sich einfach ablesen lässt. Stattdessen fühlt es sich im Moment eher so an, als würde ich auf der Stelle treten. Ich informiere mich, probiere aus, beginne etwas – und verwerfe es wieder. Dann kommt eine neue Idee. Ein neuer Gedanke. Ein neuer Ansatz.

Ich bin noch auf der Suche. Und dieses Suchen ist weniger romantisch, als es oft dargestellt wird. Es ist kein inspirierendes „Ich finde meinen Weg“, sondern eher ein vorsichtiges Tasten. Mal mit Energie. Mal mit Zweifel.

Ich weiß noch nicht genau, wo es hingehen soll. Und genau das fällt mir schwerer, als ich gedacht habe. Ich hatte angenommen, dass allein die Entscheidung, ein Online-Business neben dem Job aufzubauen, automatisch Klarheit mit sich bringt. Als würde mit dem Entschluss auch die Richtung erscheinen.

Aber so funktioniert es nicht.

Ich habe selten einen perfekten Plan. Ideen entstehen bei mir im Tun. Erst wenn ich anfange, merke ich, was sich stimmig anfühlt – und was nicht. Theorie allein reicht mir nicht. Ich muss Dinge ausprobieren, um zu verstehen, ob sie wirklich zu mir passen. Das bedeutet auch, dass ich Umwege gehe. Dass ich Zeit investiere in Dinge, die sich später als nicht tragfähig herausstellen.

Manchmal fühlt sich das wie Stillstand an. Als würde ich mich im Kreis drehen, während andere scheinbar zielgerichtet voranschreiten. Menschen, die genau wissen, wofür sie stehen. Die ihre Nische gefunden haben. Ihre Positionierung. Ihren Plan. Ich habe das nicht. Noch nicht.

Vielleicht hätte mich mehr Planung schneller vorangebracht. Vielleicht wäre ich strukturierter, effizienter, fokussierter, wenn ich mir alles vorher bis ins Detail durchdenken würde. Vielleicht würde ich weniger Energie verlieren. Vielleicht auch nicht.

Denn wenn ich ehrlich bin, war es nie die perfekte Planung, die mich weitergebracht hat. Es war immer das Anfangen. Das Ausprobieren. Das Lernen unterwegs. Und auch wenn sich dieser Prozess unruhig anfühlt, ist er trotzdem Bewegung.

Ich weiß nur eines sicher: Warten hat mich bisher nicht weitergebracht. Nicht auf Klarheit. Nicht auf Sicherheit. Nicht auf den perfekten Zeitpunkt. Die Suche fühlt sich manchmal wie Stillstand an, aber sie ist ehrlicher als das bloße Aushalten.

Notiz an mich:

Nicht jede Strecke braucht ein sichtbares Ziel.

Webseiten, KI und ein neuer Zugang

Was ich inzwischen weiß:
Mir macht es Spaß, Webseiten zu erstellen. Und ich habe auch schon anderes ausprobiert.

Das hätte ich vor ein paar Jahren nicht über mich gesagt. Arbeiten am Computer war für mich etwas, das andere machen. Menschen mit technischem Verständnis, mit klarer Struktur im Kopf, mit einem Plan. Ich habe mich lange nicht in diese Kategorie eingeordnet. Eher praktisch. Eher im Tun. Aber nicht „technisch“.

Und trotzdem sitze ich abends da und beschäftige mich freiwillig mit Themes, Layouts, Texten, Struktur und Aufbau. Ich will verstehen, wie etwas entsteht. Wie Inhalte wirken. Wie man Gedanken so ordnet, dass sie lesbar werden. Wie aus einer Idee etwas Sichtbares wird.

Natürlich ist das ein großes Feld. Und ich stehe noch ganz am Anfang. Ich weiß oft nicht, ob ich etwas „richtig“ mache. Ich probiere aus, lösche wieder, ändere neu. Manchmal fange ich von vorne an. Vieles ist Learning by Doing. Aber genau dieses Tun liegt mir. Ich muss Dinge selbst bewegen, um zu verstehen, ob sie passen.

Künstliche Intelligenz hat dabei eine Rolle gespielt. Nicht, weil sie mir die Arbeit abnimmt – das tut sie nicht. Und sie ersetzt auch kein eigenes Denken. Aber sie senkt die Einstiegshürde. Sie macht Dinge greifbarer und verständlicher. Sie nimmt die erste Unsicherheit, wenn man vor einem leeren Bildschirm sitzt und nicht weiß, wo man anfangen soll.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich mich ohne KI überhaupt an dieses Thema herangetraut hätte. Vielleicht hätte ich es für zu kompliziert gehalten. Für zu technisch. Für etwas, das andere besser können.

Trotzdem bleibt die Verantwortung bei mir. Man darf nicht alles glauben, nur weil es gut formuliert ist. Man muss verstehen, was man tut, warum man etwas einbaut und wie es funktioniert. KI ist ein Werkzeug – nicht die Lösung. Und wenn man sie falsch nutzt, bleibt es oberflächlich.

Aber richtig eingesetzt, öffnet sie Türen. Nicht im Sinne von schnellen Versprechen. Sondern im Sinne von: anfangen können.

Und allein diese Erfahrung hat mir etwas gezeigt. Ich bin nicht so unfähig, wie ich manchmal denke. Ich brauche manchmal länger, um mich in etwas hineinzutrauen. Aber wenn ich anfange, komme ich zurecht.

Interessanterweise haben mir frühere Chefs oft mehr zugetraut als ich mir selbst. Sie haben Potenzial gesehen, wo ich nur meine Unsicherheit gesehen habe. Vielleicht war ich nie weniger fähig – nur vorsichtiger in meiner eigenen Einschätzung.

Webseiten zu bauen ist für mich gerade mehr als ein technisches Thema. Es ist ein neuer Zugang. Zu mir. Zu dem Gedanken, dass ich mir Fähigkeiten aneignen kann, die ich früher nicht einmal in Betracht gezogen hätte und vielleicht ist genau das der eigentliche Schritt.
Nicht das fertige Online-Business, sondern die Bereitschaft, mir selbst mehr zuzutrauen.

Notiz an mich:

„Ich muss nicht gleich Expertin sein.“

Eine unbequeme Erkenntnis

Ich habe lange das Leben anderer mitgelebt. Ihre Sicherheitsbedenken, ihre Vorsicht, ihre Zweifel. Nicht, weil mich jemand dazu gezwungen hätte, sondern weil es für mich normal war, mich selbst hintenanzustellen. Meine eigenen Wünsche nicht so wichtig zu nehmen. Mich eher anzupassen, als herauszufinden, was ich eigentlich will. Ich habe vieles übernommen, ohne wirklich zu prüfen, ob es zu mir passt.

Ich habe mich selten gefragt, was ich eigentlich möchte. Nicht im Sinne von „Was wäre nett?“, sondern im Sinne von: Wie möchte ich arbeiten? Wie möchte ich leben? Wie soll sich mein Alltag anfühlen?

Stattdessen habe ich funktioniert. Ich hatte Arbeit. Ich kam über die Runden. Ich war verlässlich. Und das hat gereicht – zumindest nach außen. Es gab keinen offensichtlichen Grund, etwas zu verändern.

Ein Online-Business neben dem Job aufzubauen ist für mich deshalb gerade weniger ein Geschäftsmodell als eine innere Korrektur. Es ist kein schneller Ausstieg und keine Trotzreaktion. Es ist der Versuch, meine eigenen Vorstellungen ernster zu nehmen als die Bedenken anderer.

Gleichzeitig habe ich manchmal das Gefühl, als müsste ich eine Lernkurve nachholen, die andere schon vor Jahren begonnen haben. Themen wie Positionierung, Technik, Marketing, Selbstvertrauen – vieles fühlt sich neu an. Nicht, weil ich es nicht verstehen könnte, sondern weil ich mich lange nicht in diese Richtung bewegt habe.

Die unbequeme Erkenntnis ist nicht, dass mein Job schlecht ist.
Sondern dass ich mich selbst lange nicht wirklich mitgedacht habe.

Ich habe Entscheidungen getroffen, die vernünftig waren – aber nicht unbedingt meine eigenen.

Und vielleicht geht es im ersten Schritt gar nicht darum, ob dieses Online-Business neben dem Job irgendwann groß wird oder nicht. Vielleicht geht es darum, dass ich anfange, meine Richtung selbst mitzubestimmen. Dass ich Verantwortung für meine Entwicklung übernehme, statt auf äußere Umstände zu warten. Nicht irgendwann.
Jetzt.

Notiz an mich:

„Vernünftig heißt nicht automatisch richtig.

Zweifel bleiben – und das ist ehrlich

Natürlich zweifle ich. Ob ich auf dem richtigen Weg bin, ob ich mich verzettele, ob ich zu spät angefangen habe, ob ich wirklich durchhalte. Diese Gedanken verschwinden nicht, nur weil man sich entscheidet, etwas zu verändern. Sie laufen mit. An manchen Tagen wirken sie vernünftig, an anderen eher wie alte Gewohnheiten, die nicht loslassen wollen.

Ich bin noch nicht angekommen. Ich habe kein fertiges Konzept und auch kein klares Endziel. Ich bin im Prozess. Und vielleicht ist genau das der Unterschied zu früher: Früher habe ich gewartet. Auf Sicherheit, auf Klarheit, auf dieses Gefühl von „Jetzt passt alles“. Heute weiß ich, dass dieser perfekte Zeitpunkt wahrscheinlich nie kommt.

Aber ich warte nicht mehr darauf. Ich warte auch nicht mehr darauf, dass jemand von außen sagt: Jetzt darfst du. Jetzt bist du bereit. Jetzt ist es sinnvoll. Ich fange einfach an. Nicht, weil ich mir sicher bin. Nicht, weil ich keine Angst mehr habe. Nicht, weil ich genau weiß, wohin es führt. Sondern weil ich nicht mehr stehen bleiben will.

Vielleicht ist das noch kein großer Plan. Aber es ist eine bewusste Entscheidung. Und für den Moment reicht mir das. Dieses Online-Business neben dem Job ist für mich kein schneller Ausstieg, sondern ein langfristiger Lernprozess.

Notiz an mich:

„Ich bleibe dran.

Inzwischen habe ich nicht mehr nur darüber nachgedacht, sondern ausprobiert, was selbstständig werden neben Job in der Realität bedeutet.

Was ich konkret versucht habe, findest du hier:
Selbstständig werden neben Job – was ich bisher versucht habe

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