Einleitung zu Nebenberuflich selbstständig
Manchmal sitze ich an meinem Schreibtisch und frage mich, ob ich gerade vorwärtskomme oder nur beschäftigt bin. Ich lerne, ich probiere, ich schiebe Dinge vor mir her – und irgendwo im Hintergrund läuft dieser Gedanke, dass es nicht reicht. Nebenberuflich selbstständig zu werden fühlt sich selten so an, wie ich es mir vorgestellt habe. Das hier ist ein ehrlicher Blick darauf, wie es gerade aussieht.
Inhaltsverzeichnis zu Nebenberuflich selbstständig
Zu wenig wissen, zu viel wollen – und beides gleichzeitig
Ich habe das Gefühl, dass ich eigentlich ständig lerne. Kurse, Videos, irgendwas ist immer gerade dran. Und trotzdem sitze ich manchmal da und denke, dass ich noch längst nicht genug weiß. Dass da noch drei andere Kurse wären, die ich eigentlich auch machen müsste. Dass andere schon weiter sind, weil sie früher angefangen haben oder irgendwie mehr Zeit hatten oder einfach schneller verstehen.
Das Verrückte daran ist, dass ich das rational eigentlich weiß. Ich weiß, dass man nicht alles gleichzeitig lernen kann. Ich weiß, dass ein Kurs, den ich wirklich durcharbeite, mehr bringt als drei, die ich zur Hälfte abbreche. Trotzdem zieht es mich in alle Richtungen gleichzeitig. Ein neues Thema taucht auf, und sofort ist da dieser Gedanke: Das müsste ich auch noch verstehen. Das könnte wichtig sein. Was, wenn ich genau das gerade verpasse?
An freien Tagen wird es nicht besser. Eher im Gegenteil. Ich habe Zeit, also will ich alles auf einmal. Der nächste Kurs, den ich schon zu lange vor mir herschiebe, das nächste Thema, das ich eigentlich auch noch angehen wollte. Und am Ende des Tages habe ich von allem ein bisschen gemacht – und das Gefühl, bei nichts wirklich weitergekommen zu sein. Nebenberuflich selbstständig werden klingt von außen nach einem klaren Weg. Von innen fühlt es sich manchmal an wie mehrere Wege gleichzeitig, von denen ich keinen ganz gehen kann.
Notiz an mich:
„Drei halbfertige Kurse machen mich nicht dreimal so schlau.„
Wenn der Körper nicht mitmacht, aber der Kopf nicht aufhört
Schichtarbeit hat einen Preis, den man von außen nicht sieht. Nicht nur die Müdigkeit an sich, sondern dieses dauerhafte Ungleichgewicht. Bei mir können Früh-, Spät- und Nachtschicht in einer einzigen Woche vorkommen – manchmal alle drei, manchmal zwei davon, aber eine Regelmäßigkeit gibt es nicht. Frühschicht bedeutet Wecker um 2:15 Uhr. Spätschicht bedeutet, dass ich oft erst nach Mitternacht zu Hause bin. Dazwischen liegen meistens zehn bis zwölf Stunden Arbeit. Der Körper weiß irgendwann nicht mehr, wann er schlafen soll und wann er wach sein darf. Der Biorhythmus macht einfach irgendwann nicht mehr mit.
Was das mit dem nebenberuflich Selbstständig-Sein macht, ist schwer zu erklären, wenn man es nicht kennt. Ich habe nach einer langen Schicht oft noch den Wunsch, etwas zu tun. Irgendetwas voranzubringen. Aber der Kopf ist dann nicht mehr wirklich da. Ich sitze am Schreibtisch, starre auf den Bildschirm und merke, dass ich denselben Satz dreimal gelesen habe, ohne ihn aufzunehmen. Das ist kein Motivationsproblem. Das ist schlicht Erschöpfung.
Und trotzdem hört der Kopf nicht auf. Irgendwo im Hintergrund läuft immer dieser Gedanke: Ich könnte noch kurz das und das machen. Ich müsste eigentlich noch. Andere schaffen das doch auch. Dieser innere Antrieb ist einerseits das, was mich weiterbringt. Andererseits ist er manchmal auch das, was mich am meisten nervt. Weil er keinen Feierabend kennt, auch wenn der Körper längst einen gebraucht hätte.
Notiz an mich:
„Müde Entscheidungen sind selten gute Entscheidungen.„
Das Gefühl, dass die Zeit rennt – obwohl ich gerade sitze und arbeite
Es gibt diesen Moment, in dem ich mitten in einer Aufgabe sitze und trotzdem das Gefühl habe, zu langsam zu sein. Nicht weil ich nichts tue. Sondern weil ich das Gefühl nicht loswerde, dass die Zeit an mir vorbeiläuft. Dass andere in derselben Zeit mehr schaffen. Dass ich irgendwo hinterherhänge, ohne genau sagen zu können, wo.

Das hat wenig mit der Uhr zu tun. Es ist eher ein inneres Rauschen. Dieses leise, ständige Gefühl, nicht schnell genug zu sein. Und je unregelmäßiger mein Alltag durch die Schichten ist, desto lauter wird dieses Rauschen. Weil ich keine feste Struktur habe, an der ich mich orientieren kann. Weil ein freier Tag nach einer Nachtschicht anders aussieht als ein freier Tag nach einer Frühschicht. Weil ich nie genau weiß, wie viel ich an einem bestimmten Tag überhaupt leisten kann.
Was ich inzwischen weiß: Dieses Gefühl lügt oft. Ich komme weiter, als es sich anfühlt. Aber das hilft in dem Moment wenig, in dem ich wieder da sitze und das Gefühl habe, auf der Stelle zu treten.
Notiz an mich:
„Wer ständig auf die Uhr schaut, kommt nicht schneller ans Ziel.„
Warum mir mein Schreibtisch mehr bedeutet als er sollte
Mein Lieblingsplatz in der Wohnung ist mein Schreibtisch. Nicht weil er besonders ist, sondern weil ich hier die Dinge tun kann, die mir wirklich Spaß machen. Kein Dienstplan, keine Vorgaben, keine Schicht, die bestimmt, was als nächstes kommt. Nur ich und das, woran ich gerade arbeite.
Ich sitze hier gern – auch dann, wenn ich eigentlich müde bin. Nicht immer um produktiv zu sein, sondern manchmal einfach weil es sich gut anfühlt, hier zu sein. Es ist der Ort, an dem ich merke, dass ich etwas aufbaue. Langsam, unfertig, mit Umwegen – aber trotzdem.
Notiz an mich:
„Manchmal reicht es, einfach am richtigen Platz zu sitzen.„
Nebenberuflich selbstständig sein heißt auch: mit Halbgas fahren lernen
Ich habe lange gedacht, dass ich einfach mehr Disziplin brauche. Mehr Struktur, mehr Plan, mehr Konsequenz. Und vielleicht stimmt das auch teilweise. Aber inzwischen glaube ich, dass das Problem ein anderes ist. Es geht nicht nur darum, mehr zu tun. Es geht darum zu lernen, was an einem schlechten Tag noch geht – und was eben nicht.
Nebenberuflich selbstständig zu sein bedeutet nicht, jeden Tag Vollgas zu geben. Es bedeutet manchmal, mit dem zu arbeiten, was gerade da ist. Eine halbe Stunde statt zwei. Ein kleiner Schritt statt dem großen Plan. Und das auszuhalten, ohne sich gleich selbst in Frage zu stellen.
Das fällt mir nicht leicht. Ich tendiere dazu, entweder ganz oder gar nicht. Wenn ich nicht das Gefühl habe, wirklich etwas geschafft zu haben, fühlt sich der Tag schnell verloren an. Aber ich merke, dass genau diese Haltung auf Dauer nicht trägt. Nicht neben Schichtarbeit. Nicht mit diesem Alltag. Ein kleiner Schritt ist immer noch ein Schritt nach vorne.
Notiz an mich:
„Halbgas ist keine Niederlage. Stillstand schon eher.„
Was mich trotzdem weitermachen lässt
Es macht mir Spaß. Das klingt simpel, aber es ist der ehrlichste Grund, den ich habe. Wenn ich an etwas sitze, wenn etwas entsteht, wenn ich merke, dass ich etwas verstanden habe, das ich vorher nicht wusste – dann ist da dieses Gefühl, das ich woanders nicht so kenne. Das gibt mir kein Dienstplan und kein festes Gehalt.
Ich weiß noch nicht, wo das alles hinführt. Ich habe keinen fertigen Plan und auch keine Garantie, dass irgendetwas davon irgendwann wirklich trägt. Aber ich weiß, dass ich nicht aufhöre. Nicht weil ich muss. Sondern weil ich selbst etwas aufbauen will. Und das ist gerade der einzige Beweis, den ich brauche.

Notiz an mich:
„Wenn es keinen Spaß machen würde, hätte ich längst aufgehört.„
Ich weiß nicht, ob Nebenberuflich selbstständig irgendwann einfacher wird. Vielleicht gewöhnt man sich daran, mit Ungewissheit zu arbeiten. Vielleicht nicht. Was ich weiß: Ich sitze immer noch an meinem Schreibtisch. Und solange das so ist, ist noch nichts verloren.
Wer nachlesen möchte, wie ich mit dem Thema Zeit und Schichtarbeit umgehe, findet das im Beitrag „Neben dem Job arbeiten – Wie viel Zeit brauche ich wirklich?“ Das Thema Scanner-Typ und warum Fokus für mich keine einfache Disziplinfrage ist, habe ich in „Scanner vs. Taucher“ beschrieben.
Wer den Begriff Scanner-Typ noch nicht kennt – Barbara Sher hat ihn geprägt, und eine gute Übersicht über die verschiedenen Typen gibt es bei tausendsassacoach.de
Wenn du dich selbst besser einordnen möchtest, kannst du hier meine Checkliste nutzen:
„Bin ich ein Scanner-Typ?“



